Wenn wir mal wieder das Konto überziehen...

Kunden, die bei einer Bank oder Sparkasse über ein Girokonto verfügen, wird im Normalfall die Möglichkeit eingeräumt, dieses Konto zu überziehen. Im Falle privater Konten wird dieser eingeräumte Überziehungskredit als Dispositionskredit bezeichnet, oder auch kurz als Dispo-Kredit. Dieser Kredit steht dem Kunden gewöhnlich sehr bald nach der Kontoeröffnung zur Verfügung, wenn sich die Bank einige Monate lang von regelmäßigen Geldeingängen auf das Konto überzeugt hat.

Zinsen eines Überziehungskredits

Die für einen Überziehungskredit verlangten Zinsen sind außerordentlich hoch und liegen im Normalfall deutlich über zehn Prozent. Zinssätze von über 14 Prozent sind nicht selten. Noch höher sind die Zinsen für geduldete Überziehungskredite. Diese werden bei einer Überschreitung der eingeräumten Kreditlinie des Dispo-Kredits erhoben, sofern die Bank eine solche Überschreitung duldet. Die Zinsen für geduldete Überziehungskredite sind typischerweise nochmals um etwa 4 Prozent höher als die für den eingeräumten Dispo-Kredit. Die Höhe dieser Zinsen ist nicht unumstritten und eine gesetzliche Begrenzung der Zinssätze wurde politisch gelegentlich diskutiert. Die Banken verweisen zur Begründung auf das sehr hohe Kreditrisiko eines ohne jegliche Bonitätsprüfung vergebenen Kredits sowie auf die Möglichkeit, auf einen niedriger verzinsten Ratenkredit umzuschulden.

Vorteile und Risiken eines Überziehungskredits

Der Vorteil besteht in der jederzeit verfügbaren zusätzlichen Liquidität. Zur Überbrückung eines kurzfristigen Liquiditätsengpasses ist ein Überziehungskredit durchaus sinnvoll. Längerfristige Kontoüberziehungen sind nicht nur teuer, sondern auch riskant. Die Bank kann den Überziehungskredit jederzeit nach eigenem Ermessen kündigen, wodurch der Überziehungsbetrag sofort fällig wird. Üblicherweise machen Banken von dieser Möglichkeit nur Gebrauch, wenn die monatlichen Geldeingänge deutlich zurückgehen. Allerdings sind die Möglichkeit der Bank begrenzt, in diesem Fall offene Forderungen mit Geldeingängen zu verrechnen. Hier gelten für den Kunden die gleichen Freigrenzen wie bei Pfändungen. Bei niedrigem Einkommen oder im Falle des Bezugs von Sozialleistungen bedeutet das in der Regel, dass der Kunde auch bei überzogenem Konto sieben Tage lang über den gesamten Geldeingang frei verfügen kann. Dabei laufen allerdings sehr schnell hohe Zinsforderungen auf. Eine Umschuldung auf einen Ratenkredit mit fest vereinbartem Tilgungsplan ist im Falle einer Kündigung des Überziehungskredits durch die Bank im Regelfall das beste Vorgehen, wenn die Forderung nicht sofort beglichen werden kann. Wegen der geschilderten Probleme bei der Verrechnung von Geldeingängen gehen Banken im Normalfall auf einen solchen Vorschlag ein oder unterbreiten ihn sogar selbst.

Kritik an Überziehungskrediten

Schaut man sich Statistiken zur privaten Insolvenzen und Verschuldungsgraden einzelner Bevölkerungsschichten an, dann fällt auf, dass Überziehungskredite häufig von Menschen genutzt werden, die selten Möglichkeiten haben, diesen schnell wieder auszugleichen. Egal ob Arbeitslose impulsive Käufe über den Dispo finanzieren oder Studenten mit Mini-Einkommen für die nächste Hip Hop Party das neueste Outfit von Ecko via Kontoüberziehung finanzieren - oft dauert es Monate, bis ein einmal ausgeschöpfter Disporahmen wieder ausgeglichen wird oder werden kann. Die Banken verdienen daran natürlich prächtig, aber ob hier nicht ggf. Regelungen im Sinne eines Verbraucherschutzes nötig sind?

Siehe auch:

Verfügungsrahmen auf dem Girokonto Die meisten Menschen, die ein Girokonto oder eine Kreditkarte besitzen, bekommen einen Verfügungsrahmen eingeräumt. In der Praxis wird von einem Dispositionskredit, kurz Dispo genannt, gesprochen. ...